Felder, Freundschaft & Frische Luft: Eine kleine Auszeit in Cambridgeshire

Sa., 21. – So., 22. Februar 2026
Spaldwick, Cambridgeshire 🏴󠁧󠁢󠁥󠁮󠁧󠁿

Seit meiner Schulzeit, von den Jahren in 7, 8 und 9 Jenner, meiner Tutorgruppe in den ersten drei Jahren an der Secondary School, über die Klassenfahrt 2006 nach Deutschland sowie GCSE und später A Level Deutsch am College, hatte ich nie einen besonders großen Freundeskreis. Mit den meisten Menschen aus dieser Zeit ist der Kontakt im Laufe der Jahre weniger geworden. Aber Anna ist geblieben. Gerade in den letzten Jahren war sie für mich eine wichtige Unterstützung.

Umso mehr freute ich mich über die Einladung, sie für ein Wochenende in ihrem Zuhause im ländlichen Cambridgeshire zu besuchen. Unser letztes persönliches Treffen lag bereits einige Jahre zurück, damals lebte sie noch in London.

Cambridgeshire war für mich bisher weitgehend unbekannt. Von Gloucestershire aus wirkt der Osten Englands etwas abgelegen. Nicht unerreichbar, aber weit genug, dass man bewusst Zeit für die Fahrt einplanen muss.

Nach meiner Radiosendung am Samstagmorgen machte ich mich auf den Weg zu Anna und Keiren, die in der Nähe der historischen Marktstadt Huntingdon wohnen.

Die Fahrt verlief angenehm ruhig. Über die A40 fast bis Oxford, weiter über die A34 nach Bicester und auf die M40. Anschließend über die A43 Richtung Northampton, kurz auf die M1, dann über die A45 bis Thrapston und schließlich über die A14 nach Cambridgeshire.

Was sofort auffiel, war die Landschaft. Sie ist ausgesprochen flach. Wer in den Cotswolds lebt, nimmt diesen Unterschied besonders deutlich wahr. Weite Ackerflächen, lange Sichtachsen und viel Himmel prägen das Bild. Teilweise fehlen sogar Hecken zwischen Straße und Feld; stattdessen trennt lediglich ein Entwässerungsgraben die Flächen. Die Gegend erinnerte mich an das Gers in Südfrankreich 🇫🇷 mit seiner offenen, landwirtschaftlich geprägten Landschaft.

Bei der Ankunft stellte sich sofort ein vertrautes Gefühl ein. Es war, als hätten wir das Gespräch einfach fortgesetzt. Die Jahre dazwischen spielten keine Rolle. Auch meine soziale Energie fühlte sich stabil an, was nicht selbstverständlich ist.

Das Haus von Anna und Keiren wirkt warm und einladend. Es ist ein echtes Zuhause. Gleichzeitig wurde mir bewusst, wie unterschiedlich Lebenswege verlaufen können. Während Anna inzwischen in einem eigenen Haus lebt, empfinde ich die organisatorische und finanzielle Seite des Erwachsenenlebens manchmal noch als herausfordernd. High Functioning Autism bedeutet schließlich nicht, dass man keine Unterstützung benötigt.

Den Abend verbrachten wir entspannt im Wohnzimmer bei Tee und YouTube. Später holten wir zwei Brettspiele hervor, die ich bisher nicht kannte, die sich jedoch als überraschend unterhaltsam erwiesen. Solche Spiele sind eine unkomplizierte Möglichkeit, gemeinsam Zeit zu verbringen und sich auf etwas zu konzentrieren. Eines der Spiele beschäftigte sich mit US-Nationalparks. Für jemanden mit Interesse am Reisen ein reizvolles Thema. In den USA war ich zwar noch nie, aber zumindest habe ich einen Nationalpark oder zwei „erworben“.

Zum Abendessen fuhren wir nach Huntingdon zu Pizza Express. Dough Balls als Vorspeise gehören dort einfach dazu. Danach entschied ich mich für eine klassische Margherita. Manchmal ist das Einfache genau richtig.

Der Sonntag begann ruhig mit einem gemeinsamen Frühstück. Anschließend fuhren wir ins benachbarte Bedfordshire zu Keysoe International, einem Reitsportzentrum mit angeschlossenem Therapieangebot. Im lokalen Veranstaltungskalender war ein „Meet and Greet“ mit den Therapieponys angekündigt, eine schöne Gelegenheit, die wir nutzen wollten.

Wir trafen Belle, ein Shetlandpony, das sich deutlich stärker für sein Futter als für Besucher interessierte. Ich habe seit meiner eigenen Therapiezeit bei der Red Horse Foundation eine besondere Sympathie für Shetlandponys. Dort entwickelte ich eine enge Bindung zu einem 24-jährigen Shetlandpony namens Chippy, ein echtes Charaktertier.

Das Mittagessen nahmen wir im „The George“, dem Dorfpub in Spaldwick, ein. Das Gebäude allein ist bereits sehenswert. Da es Sonntag war, wählte ich einen klassischen Sunday Roast. Serviert wurde eine großzügige Portion Roastbeef mit Yorkshire Pudding und Kartoffeln.

Geschmacklich überzeugte das Gericht vollkommen. Das Rindfleisch war zart, der Yorkshire Pudding besonders gelungen. Dennoch schaffte ich es nicht, alles aufzuessen. Essen in Gesellschaft kann für mich mitunter komplex sein. Umso angenehmer war die entspannte Atmosphäre am Tisch. Verständnis statt Bewertung. Genau das macht vertraute Freundschaften aus.

Am Nachmittag entschieden wir uns für einen Besuch im Wimpole Estate des National Trust. Das Anwesen ist das einzige seiner Art mit einem aktiven landwirtschaftlichen Betrieb und einem bedeutenden Zentrum für seltene Nutztierrassen. Für diesen Bereich fehlte uns leider die Zeit, ein guter Anlass für einen weiteren Besuch.

Wimpole Hall selbst stammt aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Zu den späteren Eigentümern gehörten die Tochter von Rudyard Kipling und ihr Ehemann Captain Bambridge, die das Anwesen 1942 erwarben. Diese Verbindung fand ich besonders interessant, da ich im vergangenen Jahr Bateman’s in East Sussex besucht hatte.

Trotz seiner Größe bietet das Herrenhaus auch ruhige und intime Räume. Besonders die Bibliothek beeindruckte mich. Gut gefüllte Regale und eine angenehme Atmosphäre. Ein idealer Ort zum Lesen. Gedanklich richtete ich bereits eine kleine Leseecke ein und reservierte einen anderen Raum als mögliches Radiostudio.

Auch die Gartenanlagen luden zu einem Spaziergang ein. Im Frühling oder Sommer dürften sie noch farbenprächtiger wirken. Im Februar ist die Vegetation naturgemäß zurückhaltender.

Am späten Nachmittag trat ich die Heimreise an. Nach einem letzten Getränk und mit Unterstützung der neugierigen Nachbarskatze packte ich meine Sachen.

Eine Straßensperrung machte eine Routenänderung notwendig. Die vorgeschlagene Alternative erschien mir für eine Abendfahrt weniger attraktiv. Daher wählte ich die Strecke über die M11 und M25. In Cambridge legte ich einen kurzen Zwischenstopp ein. Trotz der etwas längeren Distanz blieb die Fahrzeit nahezu unverändert.

Damit endete mein erster Besuch im Osten Englands. Suffolk, Norfolk und auch Lincolnshire stehen weiterhin auf meiner Liste zukünftiger Reiseziele.

Vielen Dank, Anna und Keiren, für eure Gastfreundschaft.

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Fred Hart

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